
Am 11. Juli 2026 fand die Landesversammlung des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte Baden-Württemberg bei Dentaurum in Ispringen statt. Die Veranstaltung bot eine gelungene Verbindung aus berufspolitischem Austausch, fachlichem Impuls und intensiven Diskussionen.
Zum Auftakt warnte Dr. Christian Oettl in seinem Grußwort eindringlich vor den Auswirkungen des neuen Beitragsstabilisierungsgesetzes. Dieses drohe nicht nur bewährte Präventionsstrukturen zu schwächen, sondern stelle mit seinen Eingriffen in die zahnärztliche Berufsausübung auch eine erhebliche Gefahr für die Freiberuflichkeit und die eigenverantwortliche Ausübung unseres Berufs dar.
Dr. Elisabeth Triebel hob anschließend die große Bedeutung der Nachwuchsförderung in der Standespolitik hervor. Es sei entscheidend, junge Kolleginnen und Kollegen frühzeitig für berufspolitisches Engagement zu gewinnen. Gleichzeitig dürften jedoch diejenigen, die bereits seit vielen Jahren Verantwortung übernehmen und sich engagieren, nicht aus dem Blick geraten.
Nach einer Einführung durch Dr. Julia Hartl folgte der Gastvortrag der Ernährungswissenschaftlerin Friederike Schmidt zum Thema „Zucker jenseits von Karies“. Der Vortrag stieß auf außerordentlich großes Interesse und führte zu zahlreichen Fragen sowie einer lebhaften Diskussion. Als zentrale Erkenntnis blieb insbesondere die Bedeutung der ersten 1.000 Lebenstage: Bereits die Zeit im Mutterleib und die frühe Kindheit prägen die spätere gesundheitliche Entwicklung nachhaltig. Auch das mögliche Suchtpotenzial von Zucker und die gesellschaftliche Verantwortung für eine wirksame Prävention wurden intensiv thematisiert.
Im Anschluss berichtete der Landesvorsitzende Dr. Joachim Härer über die aktuellen berufspolitischen Herausforderungen. Im Mittelpunkt standen die verschärfte Budgetierung, die Ärztinnen und Ärzte teilweise noch stärker trifft als die Zahnärzteschaft, sowie der weiterhin im Beitragsstabilisierungsgesetz enthaltene KFO-Fachzahnarztvorbehalt. Dieser könne langfristig zu einer erheblichen Unterversorgung führen – mit der Folge, dass bis zu eine Million Kinder und Jugendliche keinen ausreichenden Zugang zu kieferorthopädischer Behandlung erhalten könnten.
Deutlich wurde erneut: Die Budgetierung ist ein untragbarer Zustand und muss abgeschafft werden. Ebenso notwendig sind eine indexbasierte Anpassung des GOZ-Punktwertes an die Entwicklung der Verbraucherpreise sowie ein konsequenter Abbau überbordender Dokumentations- und Nachweispflichten.
Die im Anschluss beratenen Anträge fanden breite Zustimmung und wurden von den Delegierten einstimmig beschlossen. Die Landesversammlung setzte damit ein klares Zeichen für Prävention, Freiberuflichkeit, Bürokratieabbau und eine verlässliche zahnmedizinische Versorgung.
Dr. Julia Hartl// Heilbronn
