Zahnärzte reden Klartext: Auf den Austausch müssen Taten folgen

Kai Whittaker MdB informierte sich in der Praxisgemeinschaft Zahngesundheit Baden-Baden über Fachkräftemangel, Bürokratie und die Zukunft der Versorgung. Die Beteiligten präsentierten nicht nur Probleme, sondern auch konkrete Lösungsansätze.

Baden-Baden. Es war kein kurzer Fototermin: Kai Whittaker MdB nahm sich bei seinem Besuch in der Praxisgemeinschaft Zahngesundheit Baden-Baden ausführlich Zeit, um mit Dr. Karsten Kamm, Dr. Torsten Kamm, Dr. Andreas Euchner und Dr. Joachim Härer, Landesvorsitzender des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte e. V. in Baden-Württemberg, über die Lage der Zahnmedizin zu sprechen.

Die Botschaft der Gastgeber war unmissverständlich: Noch ist die Versorgung in der Region vergleichsweise gut. Doch immer mehr Praxisinhaber nähern sich dem Ruhestand, während Nachfolger fehlen und sich junge Zahnärztinnen und Zahnärzte seltener für die Selbstständigkeit entscheiden. Einzelpraxen schließen, größere Praxen müssen zusätzliche Patienten auffangen. „Der Druck, der aus dem Gesundheitssystem kommt, hat uns wachsen lassen“, erklärten die Praxisinhaber. Wachstum sei deshalb nicht Selbstzweck, sondern zunehmend notwendig, um Versorgung überhaupt aufrechterhalten zu können.

Verschärft wird die Situation durch fehlende Fachkräfte. Die Praxisgemeinschaft bildet selbst aus und wirbt inzwischen auch im Ausland um geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Langwierige Verwaltungsverfahren erschweren jedoch häufig eine nahtlose Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung. Gleichzeitig brauche es mehr Studienplätze und Auswahlverfahren, die neben Schulnoten auch Motivation, praktische Fähigkeiten und berufliche Vorerfahrungen berücksichtigen. „Wir brauchen Fachkräfte – und wir müssen wieder selbst ausbilden“, lautete eine der zentralen Forderungen.

Deutliche Kritik gab es auch an der wachsenden Bürokratie. Dokumentationspflichten, Prüfprotokolle und zahlreiche Beauftragtenfunktionen kosteten immer mehr Zeit, ohne die Versorgung automatisch zu verbessern. Besonders kleinere Praxen könnten diesen Aufwand kaum noch bewältigen. Hinzu komme eine Gebührenordnung, deren Punktwert seit 1988 unverändert ist – während Personal-, Material- und Betriebskosten kontinuierlich steigen.

„Uns wurde schon viel versprochen“, stellte Dr. Joachim Härer mit Blick auf frühere politische Gespräche fest. Häufig sei das Verständnis auf politischer Seite durchaus vorhanden. Entscheidend sei jedoch, ob aus diesem Verständnis anschließend konkrete Veränderungen entstünden.

Dass Lösungen möglich sind, zeigte die Praxis anhand digitaler Anwendungen. KI-gestützte Dokumentation, digitale Patientenaufnahme, automatisierte Kommunikation und neue Assistenzsysteme können Beschäftigte von Verwaltungsaufgaben entlasten. Notwendig seien dafür funktionierende Schnittstellen, sichere Datenstrukturen und Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen, statt sie durch zusätzliche Vorschriften auszubremsen.

Auch inhabergeführte Mehrbehandlerpraxen sehen die Zahnärzte als Teil der Lösung. Sie ermöglichen Spezialisierung, längere Versorgungszeiten und den gemeinsamen Einsatz moderner Technik, ohne die Verantwortung für die Behandlung an fachfremde Investoren abzugeben.

Der ausführliche Austausch mit Kai Whittaker wurde von den Beteiligten ausdrücklich begrüßt. Nun kommt es darauf an, dass er nicht mit dem letzten Händedruck endet. Denn ein Praxisbesuch schafft Aufmerksamkeit – bessere Bedingungen für die Versorgung entstehen erst, wenn aus den gewonnenen Erkenntnissen politische Entscheidungen werden.

Cornelia Schwarz, IZZ BW